[25.07.10] Hanka Kupfernagels Tagebuch von der Thüringen-Rundfahrt – Etappe 4

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Ich hatte schon im Vorfeld gesagt, dass ich unbedingt eine Etappe bei der Thüringen-Rundfahrt gewinnen will. Zum Auftakt am Dienstag war ich nah dran, heute hat es geklappt - beim Zeitfahren gegen die besten Athletinnen der Welt - und das in meiner Heimat. Nach meiner Schwächephase gestern hat es sich gelohnt durchzuhalten, um heute eine neue Chance zu bekommen. Gleich von der Rampe runter habe ich alles, was ich hatte in die Pedale geworfen und bin volles Risiko gegangen. Nicht nur was die Power anging, sondern auch in den Kurven und auf den Abfahrten. Denn der 22 Kilometer lange Kurs war gespickt mit Rechts-Links-Kombinationen und vielen Auf und Abs. Ich glaube, lediglich der erste und letzte Kilometer waren flach. Da fährt man ständig an oder über seinem Limit; die Beine und die Lunge brennen. Einzig in den Kurven und bei den Abfahrten konnte ich mich für ein paar Sekunden erholen. Aber eine solche Strecke mit vielen Rhythmuswechseln liegt mir, das hat schon der WM-Sieg in Stuttgart 2007 gezeigt.Viele glauben immer, dass man beim Zeitfahren in einem Tunnel fährt und nichts um sich herum wahrnimmst. Aber bei einer so technisch anspruchsvollen Strecke wie heute muss man jede Sekunde voll konzentriert sein und kann nicht nur auf den Asphalt starren und einfach reintreten. Ich hab jedenfalls alles in vollen Zügen mitbekommen. Habe sogar meine Eltern und meinen Bruder am Straßenrand gesehen, und hab dort extra noch mal richtig draufgedrückt. Auch der Zuspruch und die Motivation aus dem Begleitfahrzeug in dem mein Freund Paul und unser Bundestrainer Thomas Liese saßen waren einfach top. Das waren nicht nur die typischen Anfeuerungssprüche wie schneller, schneller, schneller, sondern gezielte Tipps, die zur jeweiligen Situation genau passten. Danke noch mal dafür. Als ich dann im Ziel war, begann die Zitterpartie, denn ich war mir keineswegs sicher, dass es für den Sieg reichen würde. Ich hatte zwar auf dem Kurs in den Bergab-Passagen immer ein gutes Gefühl, aber in den Anstiegen hab ich mich nicht so stark gefühlt. So musste ich eine Stunde auf die letzte Fahrerin - die Frau in Gelb - warten, bis ich wusste, dass es zum Sieg reicht. Umso größer war die Freude, denn es gibt in der Saison nicht viele Zeitfahren in denen man seine Klasse gegenüber den internationale Konkurrentinnen beweisen kann. Das macht mich überglücklich und sehr stolz. Als dann noch während der Siegerehrung die Nationalhymne gespielt wurde, hat mich das sehr bewegt - es ist einfach ein grandioses Gefühl, ganz oben auf dem Treppchen zu stehen.